Lift Engineering
Lift Engineering, auch bekannt unter dem Namen Yan, war einer der größten Lifthersteller in Nordamerika bevor die Firma 1996 pleite ging.
Die Firma baute angeblich mindestens 200 fix geklemmte Sessellifte, sowie 31 kuppelbare Vierersessellifte und wurde zu einer der widersprüchlichsten Firmen im Seilbahnbereich. Ihre fix geklemmten Lifte waren für ihre Qualität bekannt, wohingegen die kuppelbaren den Tod von fünf Menschen verursachten.
Firmengeschichte
Jan Kunczynski, ein polnischer Einwanderer und früherer Skirennläufer, gründete Lift Engineering 1965 nachdem er Poma verlassen hatte , um seine eigenen Lifte zu bauen. Zu seinen ersten Kunden zählte das Skigebiet von Squaw Valley.
Der Name "Yan" war der Markenname, unter dem Kunczynski seine Lifte verkaufte. Es entspricht der englischen Aussprache seines Vornamens Jan.
Die Firma wuchs in den 1970ern und 80ern, hauptsächlich durch Kunczynskis kaufmännisches Talent. Anstatt mit seinen Käufern einfach so zu verhandeln, vemittelte Kunczynski seine Visionen indem er sie beim Essen nach dem Skifahren auf Papierservietten zeichnete. Ein weiteres Argument für seine Lifte war der Preis. Kunczynski verkaufte seine Lifte zu Preisen deutlich unter dem größerer Hersteller.
Kunczynski wird außerdem zugeschrieben, der erste gewesen zu sein der das Thema Ästhetik in den Entwurf seiner Lifte mit einbezog, indem er geradlinige Formen verwendete die in den Skigebieten populär waren. Aus europäischer Sicht und 30 Jahre später erscheint diese Aussage zumindest ein wenig fragwürdig.
In den späten 1980er-Jahren war Lift Engineering einer der größten Lieferanten von Skiliften in Nordamerika. Daneben entstanden in den 1970ern und 1980ern auch einige wenige Sessellifte in Frankreich.
Die Firma war hauptsächlich bekannt für ihre Leistung beim Entwurf von fix geklemmten Sesselliften. Kunczynski entwickelte ein standardisiertes System das der Firma gute Dienste leistete. Das Design war immer einfach gehalten und leicht zu betreiben und zu warten. So wurde zum Beispiel anstatt alle Steuerungselemente in der Kabine des Liftwartes unterzubringen um dort womöglich jeden zunächst zu verwirren, der den Lift betreiben sollte, nur zwei Schalter in der Kabine installiert: Einer der den Lift startete und einer der die Geschwindigkeit regelte. Die anderen Steuerungselemente wurden im üblichen mitgelieferten Verschlag-ähnlichen Antriebsraum untergebracht. Schlußendlich waren die Yan-Lifte neben ihrem einfachen Betrieb auch einfach zu warten. Der Aufbau war angeblich narrensicher. Die Stützen waren außerdem immer überdimensioniert, was bedeutet daß es möglich war aus einem Dreier- einen Vierersessel zu machen durch bloßes Wechseln der Betriebsmittel.
Mögliche Probleme mit Yan-Liften kamen 1985 ans Tageslicht, als die obere Seilscheibe des "Teller"-Lifts in Keystone, Colorado buchstäblich aus ihrer Achse gerissen wurde. Falsche Schweißtechnik wurde als Ursache genannt. Zwei Menschen starben, 47 wurden verletzt. Die Anlage wurde von Yan neu gebaut als "Ruby lift" - vermutlich kostenlos.
In den späten 1980er-Jahren begann der Eisenbahnausschuss von Colorado die Sicherheit der Yan-Lifte zu hinterfragen. Es stellte sich heraus, daß Kunczynski in seinem Drang, günstige Lifte zu bauen, regelmäßig Stahlteile auf den Parkplätzen der Skigebiete zusammenschweißen ließ. Der Ausschuss behauptete, Kunczyinskis Lifte seien absolut unsicher. Die Skigebiete schlugen die Warnung in den Wind und installierten weiter Yan-Lifte. Nichtsdestotrotz protestierte der Ausschuss weiterhin und schaffte es, kuppelbare Vierersessellifte von Yan aus Colorado fernzuhalten.
Lift Enginneering stieg 1986 in den neuen Markt der kuppelbaren Sesselbahnen ein. Während die europäischen Liftfirmen mehr als zwei Jahre in die Entwicklung dieser Lifte steckten, installierte Yan seinen ersten bereits 1987 in Mammoth, Kalifornien.
Unglücklicherweise verließ Chefingenieur Les Okreglak, der für die Sicherheit von Kunczynskis Innovationen verantwortlich war, die Firma während der Entwicklung des kuppelbaren Lifts. Les Okreglak ist jetzt Präsident von POL-X West, eines Ingenieurbüros das später die Yan-Kuppelklemme überarbeitete.
Yan baute außerdem zwei EUBs - eine in Keystone, die nur zwei Jahre in Betrieb war wegen wiederholter mechanischer Probleme. Die andere stand in Squaw Valley, Kalifornien, und hatte ebenfalls immer wieder Probleme.
Trotz der Sicherheitsfragen schaffte es Yan, insgesamt 31 4-KSBs in den Vereinigten Staaten und Kanada zu verkaufen. Loyale Kunden mussten leider später einsehen, daß die Lifte voll von mechanischen Eigenheiten und Problemen waren, und nicht sicher.
Yan KSBs waren in eine Reihe von desaströsen Unfällen verwickelt, von denen der berühmteste derjenige am Quicksilver-Lift in Whistler-Blackcomb, British Columbia, Canada war. Bei diesem Unfall starben zwei Menschen und acht wurden verletzt. Zum Quicksilver-Lift ist außerdem zu bemerken daß er einer der wenigen und möglicherweise sogar der einzige Yan-Lift mit Bubbles war.
Das Hauptproblem der Yan-KSBs waren die Klemmen. Sie waren so konstruiert, daß der Sessel, um am Seil zu bleiben, der Schwerkraft ausgesetzt sein mußte. Die Klemmen hatten nicht die üblichen, unter starker Spannung stehenden Spiralfedern, sondern vielmehr Gummifedern die weit weniger Kraft auf das Förderseil brachten. Das Auslösen der Notbremse reichte bereits um die Sessel am Seil zu bewegen.
Unglücklicherweise war die Mehrheit der staatlichen Liftinspektoren zu selbstgefällig um diese Probleme zu erkennen. Es wurde bewiesen, daß die Regierung von British Columbia die Probleme des Quicksilver-Lifts kannte und sich weigerte, irgendetwas dagegen zu unternehmen.
Alle 31 Yan-KSBs sind nachgerüstet oder abgerissen worden.
POL-X West entwickelte eine neue Version der YAN-7 Kuppelklemme (so die Typbezeichnung der Klemme, die bei den meisten Yan-KSBs verwendet wurde), bei der die Gummifedern durch Spiralfedern ersetzt wurden. Diese Überarbeitung wurde von einer Gruppe von Skigebieten in British Columbia und Alberta gekauft, darunter Silver Star und Lake Louise.
Lift Engineering stieg in den frühen 1990ern auch Hals über Kopf in einen anderen Markt ein: Funitels. Das Quad Mono Cable oder QMC-Funitel wurde von Kunczynski selbst erfunden (US-Patent Nr. 4,848,241 - übrigens online einsehbar). Die Bahn bestand aus vier getrennten Seilschleifen, gezogen zwischen Tal- und Bergstation. Zwei Seilstränge liefen bergauf, zwei bergab. Die Kabinen wurden in der Art eines Funitels zwischen die Förderseile gehängt. Nur eine dieser Bahnen wurde gebaut, in June Mountain, Kalifornien. Angeblich benötigten die Besitzer einige Zeit, um die Seilstränge zu synchronisieren. Der Lift entwickelte die selben Probleme wie die KSBs (es war offenbar die selbe Klemme im Einsatz) und wurde 1997 abgerissen.
Lift Engineering ging 1996 bankrott, nachdem sich der Quicksilver-Unfall ereignet hatte.
Weiterführende Informationen
Hier lässt sich das QMC-Patent einsehen (engl.)
- Nixon, Emily: Disaster and Emergency Management: The Quicksilver Chairlift Incident, University of Victoria, Geography Dept., April 2004
Arbeit zum Quicksilver-Unfall (engl.)
Im Forum finden sich einige Threads zum Thema (engl.)
Eintrag in der englischsprachigen Wikipedia, an den sich der vorliegende Text stark anlehnt